Honor 6X im Test: Das iPhone 7 Plus des kleinen Mannes?

250-Euro-Smartphone mit Dual-Kamera

5,5 Zoll-Full HD-Display, Fingerabruckscanner, Metallgehäuse, Dual-Kamera – klingt nach iPhone 7 Plus. Tatsächlich dreht sich dieser Text aber um das Honor 6X, das für ein Drittel des Preises ähnliche Eigenschaften bietet. Ist das Honor 6X das iPhone des kleinen Mannes? Ein Test.

Die Huawei-Tochter Honor wird auch hierzulande immer populärer. Das Erfolgsgeheimnis: Honor verkauft gut verarbeitete Smartphones mit ordentlicher Hardware deutlich unter dem marktüblichen Preis. Vor allem mit den Modellen Honor 5X und Honor 8 konnte das Unternehmen 2016 in Deutschland auf sich aufmerksam machen. Beide Geräte führten zeitweise die Amazon-Verkaufscharts an. Diese Erfolgsstory will Honor im neuen Jahr mit dem Honor 6X fortschreiben. Das Modell ist ein direkter Nachfolger für das Honor 5X und wurde auf der CES 2017 für den nordamerikanischen und europäischen Markt angekündigt. In China ist es bereits seit Oktober 2016 erhältlich.

Das Aushängeschild des Smartphones ist die Kamera auf der Rückseite. Das Honor 6X weist hier eine sogenannte „Dual-Kamera“ auf, die für ein Drittel des Preises ähnliche Tricks wie die des iPhone 7 Plus beherrscht. Ist das Honor 6X also das iPhone des kleinen Mannes? Werfen wir gemeinsam einen Blick auf das Smartphone.

Design und Verarbeitung

Optisch erinnert das Honor 6X nicht an das Apple-Smartphone. Stattdessen stand ein anderes prominentes Modell beim Design offenbar Pate. Die zwei übereinander angeordneten Kameralinsen und der Fingerabdruckscanner wecken Assoziationen zu Huaweis neuem Spitzenmodell Mate 9. Der Mutterkonzern hat Gerüchten zufolge bereits überlegt, das Honor 6X hierzulande als Huawei Mate 9 Lite zu vermarkten. Der Plan wurde allerdings verworfen.

Huawei Mate 9 (links) und Honor 6X im Vergleich.
Huawei Mate 9 (links) und Honor 6X im Vergleich. (Quelle: netzwelt)

Das Metallgehäuse des Honor 6X macht im Test einen wertigen Eindruck, und auf den ersten Blick ist kaum ein Unterschied zu teureren Geräten wie Apples iPhone oder den HTC One-Modellen zu erkennen. Nur wer ganz genau hinsieht, wird Unterschiede feststellen: Das Gehäuse des Honor 6X besteht zwar größtenteils aus Metall, aber es handelt sich nicht um ein Vollmetallgehäuse wie ihr es etwa aus der HTC One-Serie kennt. Oben und unten durchziehen Plastikelemente das Metall. Dies soll die Empfangsleistung steigern. Diese Lösung ist in der Produktion günstiger als die eingearbeiteten Antennenstreifen, die Apple oder HTC nutzen. Nur so kann Honor das 6X zum „Kampfpreis“ anbieten.

Die Verarbeitung des Honor 6X ist ordentlich. Grobe Patzer wie Spaltmaße oder lose Teile konnten wir im Test nicht ausmachen. Streicht ihr über das Display, werdet ihr jedoch hier und da einen leichten Widerstand spüren – fast so als würdet ihr Sandkörner auf dem Screen zerreiben. Tatsächlich handelt es sich hier um Schmutz, der auf dem Displayglas deutlich stärker haften bleibt als auf anderen Smartphone-Bildschirmen. Nicht schön, bedienbar bleibt das Honor 6X trotzdem.

Honor 6X im Test

Apropos Bedienbarkeit. Die Bilddiagonale des Honor 6X könnte einige Interessierte abschrecken. Mit 5,5 Zoll gehört das Smartphone zu den so genannten Phablets. Und diese riesigen Smartphones sind nicht jedermanns Sache. Doch als „zu groß“ empfanden wir das Honor 6X im Test nicht. Das iPhone 7 Plus, das OnePlus 3T oder auch das Moto G4 sind da deutlich größer. Im Vergleich zum Vorgänger ist das 6X in der Höhe und Breite sogar um einige Mikrometer geschrumpft, die Rückseite ist zudem stärker gewölbt. Das macht sich positiv im Handling bemerkbar. Das Gerät lässt sich auch mit kleinen Händen deutlich besser umgreifen und ruht sicher in der Hand. Allerdings könnten die Tasten zur Regulierung der Lautstärke etwas tiefer am Rand angebracht sein, dann wären sie deutlich besser zu erreichen.

Ausstattung und Performance

Der Bildschirm des Honor 6X hinterlässt im Test einen guten Eindruck. Die Anzeige ist vergleichsweise hell, die Farbdarstellung eher kühl. Wem dies nicht gefällt, kann die Farbtemperatur aber in den Einstellungen beeinflussen. Die Auflösung bleibt mit Full HD gegenüber dem Honor 5X unverändert.

Dafür hat Honor jedoch das Herzstück seines Budget-Smartphones ausgetauscht. Als Prozessor fungiert diesmal kein Chip des US-Herstellers Qualcomm, sondern der Octa-Core-Prozessor Kirin 655, der Huawei-Tochter HiSilicon. Es handelt sich hierbei um eine übertaktete Version des Kirin 650, der bereits im Huawei P9 Lite und Honor 5C zum Einsatz kommt. Hier sorgt er für eine ausgesprochene flüssige Performance, die man sonst nur von Geräten einer Preisklasse darüber kennt.

Den positiven Eindruck bestätigt der Chip auch im Honor 6X. Die Performance liegt ungefähr auf dem Niveau von Spitzenmodellen aus dem Jahr 2014. Selbst Spiele wie Asphalt oder FIFA sind so ohne große Ruckler auf dem Smartphone spielbar und auch mehrere geöffnete Apps bringen das Honor 6X nicht so schnell ins Wanken. Schließlich bietet das Smartphone satte drei Gigabyte Arbeitsspeicher – in dieser Preisklasse noch eine absolute Seltenheit.

Honor 6X im Test

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Die Tasten zur Regelung der Lautstärke sind am Rand des Honor 6X etwas zu hoch platziert. Dadurch sind sie für Nutzer mit kleinen Händen nur schwer erreichbar. (Quelle: netzwelt)

Für Fotos, Videos und Musik bietet euch das Honor 6X ab Werk 32 Gigabyte Speicherplatz, 24,2 sind davon frei belegbar. Der Speicherplatz lässt sich per microSD-Karte noch erweitern. Apps könnt ihr jedoch nicht auf diese auslagern. In den nächsten Wochen soll auch eine Variante mit 64-Gigabyte-Gerätespeicher erscheinen.

Der Fingerabdruckscanner auf der Rückseite reagiert ebenfalls schnell und zuverlässig. Nur selten mussten wir im Test den Finger ein zweites Mal auflegen. Leider ist es jedoch nicht mehr möglich, Apps oder Kontakte einem Fingerabdruck zuzuweisen. Diese Funktion wurde im Vergleich zum Vorgänger entfernt.

Auf was müsst ihr beim Honor 6X verzichten? Die Ausstattung ist insgesamt gesehen sehr ordentlich. Dennoch müsst ihr auf ein paar Sachen verzichten: Einen NFC-Chip zur schnellen Verbindung mit externen Geräten oder für Bezahlvorgänge bietet das Honor 6X nicht, ebenso wenig werden 5-Gigahertz-Funknetzwerke unterstützt. Außerdem fehlt ein Gyroskop. Dies wird vor allem Pokémon-Fans schmerzen, denn der Sensor wird für den AR-Modus von Pokémon Go benötigt. Wer auf 5-Gigahertz-WLAN und Gyroskop Wert legt, kann alternativ zum Moto G4 greifen.

Ein weiteres Manko: Ab Werk läuft das Honor 6X noch mit Android 6.0 Marshmallow und der älteren Huawei-Nutzeroberfläche EMUI 4.1. Immerhin bereits in wenigen Monaten soll ein Update auf Android 7.0 Nougat erfolgen. Mit diesem wird auch die neue Nutzeroberfläche EMUI 5.0 ihren Weg auf das Honor 6X finden. Sie verspricht eine vereinfachte Nutzerführung und bietet wahlweise auch einen App-Drawer. Des Weiteren lassen sich Apps klonen. Ihr könnt dann dieselbe App mit zwei verschiedenen Konten auf dem Gerät nutzen.

Zu hoffen bleibt, dass Honor mit dem Update auch das Sicherheitslevel des Smartphones anhebt. Dieses bewegt sich aktuell auf dem Stand von Oktober 2016, hinkt also dem Google-Patchday deutlich hinterher.

Sprachqualität und Akkulaufzeit

Die Sprachqualität des Honor 6X war im Test okay, aber nicht mehr. Die Stimmen der Gesprächspartner klingen auf beiden Seiten etwas dumpf und blechern. Einen Festnetzersatz darf man in dieser Preisklasse aber auch nicht erwarten. Für den Betrieb des Honor 6X braucht ihr eine Nano-SIM-Karte. Ältere SIM-Karten passen nicht in das Smartphone und müssen zugeschnitten werden. Wahlweise lässt sich das Honor 6X auch mit zwei SIM-Karten betreiben, dann müsst ihr jedoch auf die Möglichkeit verzichten, den Speicher zu erweitern.

Schön: Eine Status-LED links oberhalb des Displays informiert euch über verpasste Nachrichten und Anrufe. Heutzutage ist das keine Selbstverständlichkeit mehr.

Strom bezieht das Honor 6X aus einem 3.340-Milliamperestunden-Akku. Dieser ist fest verbaut und kann nicht vom Nutzer gewechselt werden. Im Akku-Benchmark von PCMark erzielte das Honor 6X unter Last eine On-Screen-Laufzeit von genau sechs Stunden. Dies entspricht einer Laufzeit von ein bis anderthalb Tagen im alltäglichen Betrieb bei durchschnittlicher Nutzung. Das ist okay, aber nicht herausragend. Gleiches gilt für die Ladezeit. Im Test dauerte das Laden des Akkus knapp zwei Stunden – allerdings stand uns im Test nicht das Originalnetzteil des Herstellers für den Ladevorgang zur Verfügung. Dieses könnte den Ladeprozess womöglich noch ein wenig beschleunigen. Echtes Quick Charging sieht aber definitiv anders aus.

Kamera

Kommen wir nun zur bereits mehrfach erwähnten Dual-Kamera. Sie ist das Highlight des Budget-Smartphones. Schließlich ist das Feature sonst nur hochpreisigen Smartphones vorbehalten. Nun hält es auch im unteren Preissegment Einzug. Die Dual-Kamera des Honor 6X unterscheidet sich jedoch in Aufbau und Funktion von den Varianten, die ihr etwa im Huawei P9, im LG G5 oder im iPhone 7 Plus findet.

Die obere Kamera des Honor 6X schießt Fotos mit einer maximalen Auflösung von zwölf Megapixeln. Die untere Kamera lösst nur mit zwei Megapixeln auf und dient lediglich zum Erfassen von Tiefeninformationen. Diese erlauben euch dann ein Spiel mit der Tiefenschärfe. So lässt sich etwa der Hintergrund bei Poträts unscharf stellen. Den sogenannten „Poträtmodus“ bietet das iPhone 7 Plus seit iOS 10.1 ebenfalls. Beim Honor 6X hört er auf dem Namen „Große Blende“ und liefert überraschend gute Ergebnisse – auch, wenn hier und da wie beim iPhone 7 Plus Fehler auftreten und Teile des Motivs unscharf gestellt werden.

Honor 6X: Kamera-Samples

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Die Dual-Kamera des Honor 6X ermöglicht es bei Potrait- oder Nahaufnahmen… (Quelle: netzwelt)

Ein verlustfreier Zoom wie ihn die Kamera des Huawei Mate 9 oder des iPhone 7 Plus bieten, lässt sich mit der Dual-Kamera des Honor 6X nicht realisieren. Ob man die zweite Kamera des Honor 6X daher nun wirklich braucht, sei mal dahingestellt. Schließlich lässt sich der beschriebene Bokeh-Effekt auch mit Apps realisieren.

Auch wenn die zweite Kamera beim Honor 6X also mehr Gimmick als ein echter Mehrwert ist, überzeugt die Hauptkamera im Test auf voller Linie. Honor setzt hier auf den Sony-Chip IMX386, der Objekte binnen 0,3 Sekunden fokussiert, größere Pixel (1,25 Mikrometer) auf dem Sensor sorgen wie beim Huawei Nova für bessere Fotos bei Dunkelheit und Dämmerung. Ihr könnt euch mithilfe der eingebundenen Mediengalerie einen Eindruck von der Qualität der Kamera des Honor 6X machen.

Preis und Verfügbarkeit

Das Honor 6X ist mit 32 Gigabyte großem Speicher seit Anfang Januar für 249 Euro in Deutschland im Handel erhältlich. Am Ende des Textes findet ihr aktuelle Angebote für das Honor 6X. Erhältlich ist das Honor 6X in den Farben Grau, Silber und Gold.

Aktuelle Preise

Honor 6X
  • Performance
  • Android 7.0-Update angekündigt
  • Status-LED
  • kein Quick Charge
  • schlechtes Displayglas
  • Apps lassen sich nicht auf SD-Karte auslagern
  • mäßige Akustik
8.2
Fazit: Den Kauf dieses Smartphones werdet ihr nicht bereuen.

Honor ist mit dem Honor 6X wieder ein absoluter Preisbrecher gelungen. Für 249 Euro erhaltet ihr ein gut verarbeitetes, flottes Smartphone mit reichlich Speicher und Features aus höherpreisigen Geräten wie einen Fingerabdruckscanner. Die Dual-Kamera ist aber eher ein Gimmick. Stattdessen hätten wir uns lieber eine Quick Charge-Funktion oder ein besseres Displayglas gewünscht. Dennoch: Für unter 250 Euro werdet ihr aktuell kaum ein besseres Smartphone als das Honor 6X finden.

9/10

Design und Verarbeitung

Designsprache, Farbauswahl, gewählte Materialien, Haptik und der so genannte Look & Feel des Geräts werden unter diesem Punkt bewertet.

10/10

Ausstattung und Bedienung

Display, Prozessor, Gerätespeicher, Betriebssystem und Nutzeroberfläche werden unter diesem Punkt bewertet.

6/10

Sprachqualität

Wie klingen die Gesprächspartner? Gibt es Aussetzer in der Verbindung? Dies wird unter diesem Punkt bewertet.

8/10

Akkulaufzeit

Lauf- und Ladezeiten des Akkus sowie die Bauweise (fest oder wechselbar) werden unter diesem Punkt bewertet

8/10

Multimedia

Kamera, Lautsprecher sowie weitere Multimedia-Funktionen (zum Beispiel Infrarotsender) werden unter diesem Punkt bewertet.

 

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